Institut für methodische Schießlehre
Sicherheit - Grundlagen - Waffen
Blogartikel
Viele Jäger glauben, sie seien ausreichend vorbereitet, weil sie den Jagdschein gemacht haben, regelmäßig zur Jagd gehen und ab und zu auf dem Schießstand stehen. Auf dem Schiessstand werden dann meistens unter Idealbedingungen ein paar Schüsse abgegeben, ohne wirklich mehr als die absoluten Basisfähigkeiten abzurufen.
Das Problem ist nur:
Zwischen „ich darf jagen“ und „ich bin in jeder relevanten Situation wirklich handlungssicher“ liegt ein großer Unterschied. Die korrekte Bedienung der Jagdbüchse unter Laborbedingungen ist hier kein Beweis für das Vorhandensein von wirklich relevanten Fähigkeiten oder gar eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung oder Steigerung der Fähigkeiten. Es ist das bare Minimum, nicht Kür, sondern minimale Pflichterfüllung.
Eine professionelle Schießfortbildung ist daher kein Luxus und kein Hobby für besonders Ehrgeizige.
Sie ist für viele Jäger schlicht der konsequente nächste Schritt, wenn sie ihre Verantwortung wirklich ernst nehmen.
Die Jagdausbildung vermittelt Grundlagen. Sie soll einen Einstieg ermöglichen und rechtlich sowie fachlich auf den jagdlichen Alltag vorbereiten. Nicht mehr und nicht weniger.
Und ja, das ist wichtig. Aber es ist eben nur das: eine Grundlage, ein Minimum.
Was sie in der Regel nicht leisten kann, ist der systematische Aufbau wirklich belastbarer Schießfertigkeiten unter realitätsnahen Bedingungen. Letzteres ist aber die Pflicht und Verantwortung, die aus dem Privileg des Jagdscheins hervorgeht.
Viele Jäger kommen aus der Ausbildung zwar mit einem Mindestmaß an Wissen, aber nicht mit einem stabilen, methodisch aufgebauten Schießsystem. Sie wurden darauf geschult eine Prüfung zu bestehen, unter Laborbedingungen und auf Situationen (in Form von Scheiben), die so selten in der Realität vorkommen (in manchen Bundesländern wir auf 10er Ringscheiben in der Prüfung geschossen - wo kommen die in der Natur endemisch vor?).
Das alles ist kein persönliches Versagen des Einzelnen, kein Versagen des Prüflings - es ist ein strukturelles Problem welches unumkehrbare Konsequenzen mit sich bringen kann.
Auf dem Schiessstand ist vieles einfacher als im Revier, eigentlich sogar alles. Jeder, der schon mal eine Waffe im Revier angeschossen hat, der weiß das, denn dort kommen Faktoren hinzu wie:
Zeitdruck,
Puls,
eingeschränkte Sicht,
ungünstige Anschläge,
unklare Zielumgebung,
mentale Belastung,
und die Verantwortung, in Sekundenbruchteilen richtig zu entscheiden.
Genau in diesen Momenten trennt sich Schiessstandkünstlichkeit von echter Kompetenz.
Wer nur im Labor auf statische, bekannte Situationen vorbereitet wurde, merkt schnell, dass die Realität deutlich anspruchsvoller ist und vor allem: keine Fehler verzeiht und mangelnde Fähigkeiten maximal bestraft.
Regelmäßiges Schießen ist gut, verlässliches Treffen nach einem System ist besser.
Regelmäßigkeit alleine ist kein Qualitätsmerkmal.
Ein Jäger kann über Jahre hinweg einfach nur "schießen" und trotzdem nie lernen methodisch zu treffen. Er muss aber wissen,
wie Trefferfehler sauber analysiert werden,
wie Grundfertigkeiten systematisch aufgebaut werden,
wie sichere Waffenhandhabung unter Stress erhalten bleibt,
oder wie man komplexe jagdliche Situationen methodisch vorbereitet.
Viele Jäger und Schützen schießen regelmäßig, aber unsystematisch.
Sie erhalten damit vielleicht ein gewisses Gefühl für ihre Waffe, aber keine wirklich belastbare Handlungssicherheit.
Professionelle Schießfortbildung hat ein anderes Ziel als bloßes Üben.
Sie fragt nicht nur:
„Kannst du heute treffen?“
Sondern:
„Kannst du die nötigen Fähigkeiten zuverlässig aufbauen, erklären, kontrollieren und unter wechselnden Bedingungen anwenden?“
Dazu gehört unter anderem:
Arbeit an den Grundfertigkeiten,
Fehleranalyse,
methodischer Trainingsaufbau,
Sicherheitsstandards,
Schießen aus realitätsnäheren Positionen,
Umgang mit Zeitdruck,
Kontrolle von Schussabgabe und Nachhalten,
Transfer in jagdlich relevante Kontexte.
Das ist mehr als Standroutine.
Das ist handwerkliche Weiterentwicklung.
Jagd ist nicht nur Technik, Jagd ist vor allem Verantwortung.
Jeder Schuss auf Wild verlangt, dass der Jäger seine Fähigkeiten ehrlich einschätzt und alles dafür tut, waidgerecht zu handeln.
Wer weiß, dass seine Ausbildung Lücken hat, wer merkt, dass ihm unter Druck die Kontrolle fehlt oder wer nur selten unter anspruchsvolleren Bedingungen trainiert, sollte daraus eine Konsequenz ziehen.
Nicht aus Unsicherheit.
Sondern aus Professionalität.
Denn Professionalität beginnt dort, wo man aufhört, sich mit Mindeststandards zufriedenzugeben.
Natürlich geht es auch um Präzision und Genauigkeit, aber es geht um mehr.
Eine gute Fortbildung verbessert:
die Qualität der Entscheidungen,
die Kontrolle der Waffenhandhabung,
das Verständnis der eigenen Fehler,
die Reproduzierbarkeit von Treffern,
und das Vertrauen in die eigene Handlungssicherheit.
Der Schütze wird dadurch nicht einfach „besser“.
Er wird klarer, kontrollierter und belastbarer.
Eigentlich jeder Jäger profitiert von professioneller Schießfortbildung.
Besonders sinnvoll ist sie aber für:
Jäger mit wenig echter Schießpraxis,
Jäger, die ihren Fangschuss-Kontext ernst nehmen,
Jäger, die mehr wollen als das gesetzliche Minimum,
und Jäger, die ihre Ausbildung nicht dem Zufall überlassen wollen.
Professionelle Schießfortbildung ist kein Zeichen dafür, dass jemand schlecht ist. Sie ist ein Zeichen dafür, dass jemand Verantwortung übernimmt, egal ob mit Langwaffe oder Kurzwaffe. Langwaffenausbildung und Kurzwaffenausbildung sind Pflicht, nicht Kür oder Luxus.
Wer eine Waffe jagdlich führt, sollte nicht nur hoffen, dass es im Ernstfall funktioniert.
Er sollte die nötigen Fähigkeiten bewusst aufbauen.
Denn jagdliche Realität fragt nicht danach, ob jemand irgendwann einmal eine Prüfung bestanden hat.
Sie fragt danach, ob er in diesem Moment sicher, kontrolliert und waidgerecht handeln kann.
Genau dafür ist professionelle Schießfortbildung da.
Deswegen: Mehr Klarheit, mehr Methode, weniger Halbwissen.
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ÜBER DEN AUTOR

Christian Bender
Christian Bender ist Experte für Resilienztraining und stressresistente Waffenhandhabung. Er ist seit 1994 Jagdscheininhaber, zertifizierter Schiessausbilder und u.a. Mitglied der "International Association of Law Enforcement Firearms Instructors" IALEFI. Christian Bender hat bereits zahlreiche Fachartikel und Vorträge zu den Themen Waffenhandhabung, Schiesstechnik, Ballistik und vielen anderen, relevanten Themengebieten verfasst, in denen er sein Wissen und seine Expertise geteilt hat.
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